Folge 1 – Zwangsarbeit war überall
Shownotes
Folge 1 – Zwangsarbeit war überall
Die Millionen aus den besetzten Gebieten verschleppten Zwangsarbeiter:innen waren in NS-Deutschland alles andere als unsichtbar. Doch wie funktionierte dieses ausbeuterische System, auf das sich die deutsche Kriegswirtschaft stützte? Was bedeutete die menschenverachtende Ideologie für die Lebensbedingungen der betroffenen Menschen? Und wie prägte die Zeit als NS-Zwangsarbeiter:innen die Lebenswege Einzelner ganz persönlich? In dieser ersten Folge geht es um die Geschichte der NS-Zwangsarbeit als Gesellschaftsverbrechen. Podcasthost Daniel Christensen gibt Einblicke in das berührende Schicksal seines tschechischen Großvaters Ludvik Jirus, der 1944 als 18-Jähriger für eine deutsche Firma arbeiten musste. Neben Jirus’ Geschichte erzählt die Folge auch die der polnischen ehemaligen Zwangsarbeiterin Alicja Kubecka. Die Historiker:innen Christine Glauning und Mark Spoerer ordnen die Erinnerungen faktenbasiert ein und liefern Hintergründe zum Themenkomplex NS-Zwangsarbeit und seiner Aufarbeitung.
Links aus dieser Folge:
- Interview-Archiv „Zwangsarbeit 1939-1945“
- Ganzes Interview mit Alicja Kubecka (im Interview-Archiv)
- Website des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit in Berlin
- Publikation von Mark Spoerer (2001): Zwangsarbeit unter dem Hakenkreuz. Ausländische Zivilarbeiter, Kriegsgefangene und Häftlinge im Deutschen Reich und im besetzten Europa 1939-1945
- Informationen zum Leipziger Rüstungskonzern Hugo-Schneider-Aktiengesellschaft (HASAG)
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Ludvik Jirus: Die Deutschen brauchten immer höhere Industrieproduktion, und jeder, der hat Hände und konnte arbeiten, muss in Arbeit gehen und mehr arbeiten und mehr arbeiten. Das war, ich erinnere, im Jahre 1944. Ja, ich war damals 18 Jahre alt.
Daniel Christensen: Die Stimme, die man hier hört, ist die meines Großvaters Ludvik Jirus. Die Aufnahme stammt aus dem Sommer 2000. Ich hatte die Idee, meinen damals 74 Jahre alten Opa mit einem Mini-DV-Camcorder zu interviewen, deshalb ist der Ton auch nicht so perfekt. Mein Großvater ist Jahrgang 1926 und hat sein ganzes Leben in seiner Heimatstadt Prag verbracht und dort alle Bewegungen des 20. Jahrhunderts aus nächster Nähe miterlebt. Darüber wollte ich mit ihm sprechen und so erfuhr ich an diesem Tag im Sommer 2000, eigentlich als Randnotiz, dass mein Opa als junger Mann im Zweiten Weltkrieg Zwangsarbeit für die deutsche Besatzungsmacht leisten musste.
Ludvik Jirus: Am 1. September auf einmal ich bekam eine Einladung zum Amt und, es war kein Kompromiss, vom 1. September musste ich arbeiten in einer deutschen Firma in Prag. Ich hatte Glück, ich musste nicht ins Reich gehen, wie viele Leute. Das waren die Jahrgänge ‘24, ‘25, ich war ‘26, das war Glück, weil der Hitler, dieser Führer, rief schon 18-jährige, 19-jährig und 17-jähriger Knaben. Er hatte viele Verluste von Einwohnern. Darum er brauchte neue Kräfte, neue Arbeitskräfte, neue Arbeitskräfte.
Daniel Christensen: Ich bin Daniel Christensen, von Beruf Schauspieler – und dies ist der Podcast „Wert & Würde“ der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft. Dass mein Opa Zwangsarbeiter war, habe ich nicht gewusst. Und ich bin tatsächlich der erste in meiner Familie, der bei solchen Themen nachhakt, sie wurden immer mit einem Achselzucken abgetan. Im Nachhinein betrachtet, ist es vielleicht kein Zufall, dass ich das ausgerechnet im Jahr 2000 erfahren habe. Denn im selben Jahr wurde die Stiftung EVZ in Deutschland gegründet. Mit dieser Stiftung haben sich die deutsche Wirtschaft und der deutsche Staat zu ihrer gemeinsamen Verantwortung für die Ausbeutung, die Ausgrenzung, die Unterdrückung und die Ermordung von Zwangsarbeiter:innen während der NS-Zeit bekannt. Die Entstehungsgeschichte und die Arbeit der Stiftung EVZ sind das Thema dieses Podcasts.
Jingle: „Wert und Würde“ – ein Podcast der Stiftung EVZ über den langen Weg der Anerkennung von Zwangsarbeit als NS-Verbrechen Folge 1: „Zwangsarbeit war überall“ Contentwarnung: In diesem Podcast geht es um die Auseinandersetzung mit nationalsozialistischem Unrecht und damit um Formen von Gewalt und Diskriminierung. Die Beschäftigung damit kann herausfordernd und emotional belastend sein. Bitte achten Sie auf sich und Ihre Grenzen.
Ludvik Jirus: Ich begann zu arbeiten bei der Firma Frieseke & Höpfner, das war eine Privatfirma in Berlin, in Potsdam hatte die ihren Sitz. Und Berlin wurde immer bombardiert und sie brauchten wieder neue Orte. Stell dir vor, sie haben eine große Industrieschule geschlossen. Und dort, in dieser Industrieschule, war eine große Werkstatt für Lehrenabsolventen. Dort waren Drehmaschinen, diese Bohrmaschine, Karussellen, ja, diese verschiedenen Maschinen.
Daniel Christensen: Prag, die Heimatstadt meines Opas, lag im sogenannten „Protektorat Böhmen und Mähren“. Die Nationalsozialisten hatten es so genannt. Sie hatten diese Region auf tschechoslowakischem Gebiet schon 1939 besetzt, unter anderem, weil sie Zugriff auf die moderne Rüstungsindustrie dort haben wollten. Die Muttersprache meines Opas war also Tschechisch, aber mit uns Enkeln sprach er eigentlich meistens Deutsch. Mit dem „Karussell“, an dem er gearbeitet hat, Kolotoč auf Tschechisch, meinte er eine Drehbank, auf der wurden Ersatzteile für Raketen hergestellt.
Ludvik Jirus: Wir waren ein sehr guter Industriestandort auf großem Niveau. Wir produzierten Waffen, sehr gute Waffen. Alle diese Fabriken, alle Waffen, alle diese Industrie bekamen auf einmal über einen Tag die Deutschen in eigenen Händen. Unsere Armee war sehr stark, wir waren ein kleiner Staat, aber wir hatten fantastische Waffen, hatten wir, moderne, alles hatten wir: Flugzeuge, Kanonen, alles bekamen die Deutschen. Geldlos, alles. Das war auch eine ökonomische Tragödie.
Daniel Christensen: Mein Opa war 18 Jahre alt und besuchte das Realgymnasium, als er zum Schichtdienst in der Rüstungsindustrie gezwungen wurde. Seine Schullaufbahn war damit erstmal beendet.
Ludvik Jirus: Eine Schicht war von halb sechs morgens bis halb 14 Uhr. Die zweite Schicht ging von 14 bis 22 Uhr. Das war von Montag bis Samstag. Sonntag war frei und nächste Woche war das umgewendet. Der Leiter war ein SS-Mann, er ging in Zivilkleidung, er war Invalide von Russland, er hatte Holzbeine. Aber das war ein richtiger Nazi. Wir waren 18-jährige Knaben und hatten keine Vernunft. Wir hatten Spaß und wollten wir auch sabotieren, wir Idioten. Ich erinnere mich an einen Moment, er kam in die Werkstatt und auf einmal zog er den Revolver und sagte mir: „Wissen Sie, die Bolschewisten sind schon in der Nähe. Sie müssen arbeiten.“ Er war böse.
Daniel Christensen: Das „Protektorat Böhmen und Mähren“ war auch als Erholungsgebiet für deutsche Soldaten gedacht, weil es dort im Gegensatz zu Deutschland wenig Luftangriffe gab. Mein Opa hatte etwas zur Unterhaltung der deutschen Besatzer beizutragen, denn er spielte Fußball für die damals sehr erfolgreiche Mannschaft Slavia Praha. Er selber hätte gesagt: ich war Profifussballist. Das hat ihm während der Zwangsarbeit zumindest einen kleinen Freiraum verschafft.
Ludvik Jirus: Wir hatten Training am Nachmittag in Slavia, Dienstagnachmittag und Donnerstagnachmittag. Aber jetzt hatte ich jede zweite Woche die Schicht. Ich konnte nicht zum Training. Dann kam von Slavia ein Funktionär, er konnte auch Deutsch sprechen, er sprach mit diesem SS-Mann und sagte, wir brauchen diesen Jirus, er ist ein guter Spieler. Wie können wir uns revanchieren oder so, nicht revanchieren mit Geld. Aber er hat gesagt, wenn er gut arbeiten wird, ich gebe ihm frei. Aber er muss nacharbeiten.
Daniel Christensen: Als mein Opa 2023 kurz vor seinem 97. Geburtstag starb, da habe ich die Aufzeichnung unseres Gesprächs noch einmal angesehen. Er erzählt darin nicht sehr viel über die Zeit der Zwangsarbeit. Und als ich mit meinem Bruder darüber sprach, merkte der an, der Opa habe doch einen Lohn bekommen, ob das überhaupt als Zwangsarbeit galt? Wir haben im Geschichtsunterricht der 90er Jahre von Zwangsarbeit ausschließlich im Zusammenhang mit Menschen erfahren, die in KZs inhaftiert waren, unter schwersten Bedingungen harte körperliche Arbeit leisten mussten und das oft nicht überlebt haben. Wenn mein Opa in Prag in der NS-Zeit Zwangsarbeiter war, wie viele Menschen waren dann noch betroffen, fragte ich mich. Wie lebten sie? Wie sah ihr Schicksal aus? Also begann ich zu recherchieren. Ich lebe heute in Berlin, und hier beginnt auch meine Recherche. Meine erste Anlaufstelle ist das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit in Schöneweide, im Südosten der Stadt. Das Dokumentationszentrum ist auch ein Museum mit wechselnden Ausstellungen, und eine Begegnungsstätte für Bildungsarbeit. Es befindet sich in einem ehemaligen Zwangsarbeiterlager aus gemauerten Baracken, das noch fast vollständig im ursprünglichen Zustand erhalten ist. Das Lager liegt mitten in einem gewachsenen Wohngebiet mit Altbauten aus dem frühen 20. Jahrhundert, das fällt mir als Erstes ins Auge. Das bedeutet, von den Wohnungen in den oberen Stockwerken konnte man damals direkt auf das ummauerte und umzäunte Lagergelände sehen. Und auf die Zwangsarbeiter:innen, die hier interniert waren. Ich bin mit der Direktorin des Dokumentationszentrums Christine Glauning zum Interview verabredet.
Christine Glauning: Also, die Geschichte der NS-Zwangsarbeit ist vor allem eine Geschichte, die sich während des Zweiten Weltkrieges abspielt. Das heißt, dass zwischen 1939 und 1945 geschätzt 13 bis 13,5 Millionen Menschen aus den besetzten Gebieten Europas ins Deutsche Reich verschleppt wurden zur Zwangsarbeit. Aber es gab auch schon vor Kriegsbeginn, vor 1939, Deutsche, die zur Arbeit gezwungen wurden, wie deutsche Juden und Jüdinnen im Rahmen des sogenannten geschlossenen Arbeitseinsatzes, Sinti und Roma und auch Menschen, die als asozial diffamiert wurden.
Daniel Christensen: Arbeit hatte im ideologischen System der Nationalsozialisten einen wichtigen Stellenwert. Jeder junge deutsche Mann musste einen 6-monatigen „Reichsarbeitsdienst“ leisten, der als „Ehrendienst“ an der von den Nationalsozialisten propagierten „deutschen Volksgemeinschaft“ gewertet wurde. Erniedrigende Arbeiten mussten Menschen verrichten, die aus dieser behaupteten Volksgemeinschaft ausgeschlossen werden sollten. Schon kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurden die ersten Opfergruppen zur Zwangsarbeit herangezogen und in den folgenden Jahren bis zum Kriegsbeginn wurde das System Zwangsarbeit als Instrument zur Ausgrenzung und Verfolgung ständig ausgeweitet.
Christine Glauning: In Berlin gab es ja das Zwangslager in Marzahn, das 1936 eingerichtet wurde in Vorbereitung der Olympischen Spiele. Weil man die Menschen von der Straße weghaben wollte, wurden sie in diesem Lager interniert und von dort eben auch zur Zwangsarbeit eingesetzt. Und wir schätzen, dass es in solchen kommunalen Zwangslagern rund 15.000 Sinti:ze, Roma und Romnja gab, und zwischen Juni ‘38 und Juni ‘39 mindestens 2.000 in Konzentrationslagern waren, um da Zwangsarbeit auch für SS-eigene Unternehmen zu leisten. Und als dritte Gruppe die Menschen, die als asozial diffamiert wurden, in sogenannten Arbeitshäusern Zwangsarbeit leisten mussten, dann eben auch in Konzentrationslager kamen.
Daniel Christensen: Zwangsarbeiter:innen waren also keine homogene Gruppe, sondern es waren ganz unterschiedliche Personengruppen, die mit unterschiedlicher Zielsetzung Arbeit leisten mussten. Und mit Beginn des Zweiten Weltkriegs intensivierte sich der Einsatz von Zwangsarbeit und es kamen neue Opfergruppen hinzu. Die meisten von ihnen waren Zivilist:innen aus den von der Wehrmacht besetzten Gebieten, aus Polen und aus den Republiken der damaligen Sowjetunion, beispielsweise aus Russland, der Ukraine oder Weißrussland, dem heutigen Belarus. 1991, nach dem Zerfall der Sowjetunion, wurden diese Republiken zu unabhängigen Staaten mit eigenen Grenzen. Dieser Punkt wird später relevant, wenn es um die Auszahlungen von Geldern an ehemalige Zwangsarbeiter:innen geht. Denn ein Kriterium für den Anspruch auf eine finanzielle Anerkennung war die Frage, ob die Person über eine Grenze verschleppt worden war. Wie auch mein Großvater wurden nicht alle Zwangsarbeiter:innen ins damalige „Deutsche Reich“ verschleppt, sondern einige beispielsweise auch in eine andere Sowjetrepublik, um dort Arbeit zu leisten, die der Versorgung der Wehrmacht oder dem Ausbau der Infrastruktur diente. Aus damaliger Sicht also nicht über eine Grenze, aus heutiger schon.
Christine Glauning: Hinzu kamen 4,6 Millionen Kriegsgefangene und 1,7 Millionen KZ-Häftlinge. Die KZ-Häftlinge sind überwiegend in der letzten Kriegsphase, vor allem ab 1944 in vielen, zum Teil auch komplett sinnlosen, aber sehr brutalen Rüstungsprojekten zur Arbeit gezogen worden.
Daniel Christensen: Alicja Kubecka aus Warschau ist Jahrgang 1927, also etwa gleich alt wie mein Großvater. Obwohl sie keiner Widerstandsorganisation angehörte, nahm sie ohne das Wissen ihrer Eltern ab dem 1. August 1944 jeden Tag am Aufstand der polnischen Heimatarmee gegen die deutsche Besatzungsmacht in der Altstadt von Warschau teil. Nach der Zerschlagung des Warschauer Aufstands am 2. September wurde sie mit vielen anderen Menschen festgenommen, musste tagelang in einem Sammellager ausharren, ohne ihre Familie benachrichtigen zu können, und wurde schließlich in einem Viehwaggon zur Zwangsarbeit ins Deutsche Reich deportiert. Und es war klar, dass diese sogenannten „politischen“ Gefangenen dort eine harte Behandlung erfahren würden. Die Männer wurden ins Konzentrationslager Groß Rosen gebracht und die Frauen zunächst ins Lager Ravensbrück. Das liegt fast idyllisch am Schwedtsee bei Fürstenberg, unweit von Berlin.
Alicja Kubecka: Auf der einen Uferseite war also ein Konzentrationslager, wo Menschen brutal ermordet wurden, auf der anderen gab es einen wunderschönen gotischen Turm, eine Kirche, ein Städtchen halt, in dem die Menschen beteten und einen normalen Alltag lebten. Wir warteten auf einem Platz, vor der sogenannten Mikwe. Das war einfach in der Sprache der Insassinnen der Ort, wo das Bad war, wo Haare abrasiert wurden und die Nummern und Lageruniformen zugeteilt wurden. Wir warteten darauf ungefähr eine Nacht lang, vielleicht ein bisschen länger, weil es doch viele Transporte gab und das nicht nur aus Polen. Ich bekam die Nummer 66208 und von da an war ich eine Nummer – ich hatte keine Menschenrechte mehr. Und auch die Tatsache, dass ich ein wenig Deutsch sprach, nützte mir nichts, denn da sprach niemand mit mir. Da sprach man einfach kein Wort mit den Insassen.
Daniel Christensen: Zu diesem Zeitpunkt war Alicja Kubecka 17 Jahre alt. Die mütterliche Linie meiner Großeltern, also meine Großmutter und Urgroßmutter, ist jüdisch. Während ich Alicja Kubeckas Geschichte höre, muss ich daran denken, dass meine Urgroßmutter erzählt hat, dass ihre Deportation „Spitz auf Knopf“ bevorstand – sie benutzte bewußt diese deutsche Redewendung. Dann wurden jedoch die Papiere so geändert, dass die jüdische Verwandtschaft nicht mehr nachzuweisen war. Wie, das weiß ich nicht genau, auch darüber wurde in der Familie nie gesprochen. Aber meine Großmutter Nadja, inzwischen 92 Jahre alt, erinnert sich noch heute an die schwarzen Stiefel der SS-Männer in der Familienwohnung, die ihr als kleines Mädchen Angst einjagten. Ihr ist erspart geblieben, was Alicja Kubecka erleben musste.
Alicja Kubecka: Man zog uns bis auf die Haut aus. Auf dem Appellplatz standen wir in Vierer-Reihen, und da der Platz die Form eines Paddocks wie bei Pferden hatte, befahl man uns, im Kreis herumzugehen. Da saß ein Herr auf einem Podest, der Lagerkommandant, und neben ihm die Aufseherinnen und SS-Leute. Und alle beobachteten uns aufmerksam. Wir bewegten uns also völlig nackt und mit einer Peitsche gab man ein Zeichen, dass die Eine auf diese und die Nächste auf die andere Seite soll. Man wusste nicht wohin und wozu, aber fragen konnte man aus Angst nicht, wen auch? Fragen gab es da nicht. Es stellte sich heraus, dass ich dem Kommando Genshagen in Ludwigsfelde zugeteilt wurde. Das waren die Daimler-Benz-Werke mit Produktionshallen für Flugzeugmotoren. Die Werke waren teils unterirdisch, unter einem Tarnnetz versteckt, wo auch Gras und kleine Bäume wuchsen. Es gab drei Hallen, Neumontage, Fertigmontage und Rückmontage. Da wurden Neuteile gefertigt, es kamen aber auch alte Motoren von der Front, die auseinandergebaut und mit neuen Teilen wieder zusammengebaut wurden. Das war keine Arbeit für Frauen! Frauen aus Polen gab es wohl um die 100, ebenso viele Französinnen und auch Russinnen gab es dort. Russinnen gab es nicht viele, sie waren aber physisch am stärksten. Die Französinnen waren dagegen die Schwächsten. Sie hielten die Arbeit und auch den Hunger nicht aus.
Daniel Christensen: Es hat mich überrascht, von Christine Glauning zu erfahren, dass vor der Verschleppung von Menschen aus den besetzten Gebieten, die Bevölkerung dort zur Arbeit im Deutschen Reich angeworben wurde. Doch einmal im Reich, konnten auch die angeworbenen Arbeitskräfte ihren Arbeitsvertrag nicht einfach kündigen und nach Hause zurückkehren, deshalb trifft der Tatbestand der Zwangsarbeit auch auf sie zu.
Christine Glauning: Es gab etliche, die sich zu Beginn freiwillig gemeldet haben, aber man muss es eben unter der Bedingung einer brutalen Besatzungsherrschaft sehen, wo die Existenzbedingungen, die Lebensbedingungen immer schwieriger wurden und gerade junge Menschen, zum Beispiel in Polen, haben sich gemeldet, weil sie gedacht haben, dann sind ihre Eltern oder Großeltern vor einer Verschleppung gesichert. Aber es hat sich sehr schnell herausgestellt, dass die Bedingungen eben nicht so rosig waren, wie es diese Anwerbepropaganda suggerierte, und dementsprechend gingen diese Zahlen zurück.
Daniel Christensen: Die Rekrutierungsmaßnahmen wurden immer drastischer. Bunte Werbeplakate, die eine gut bezahlte Arbeit in Deutschland versprachen, wurden jetzt durch Aufrufe ersetzt, sich zwangsweise zu melden. Menschen wurden direkt von der Straße oder vom Feld aus abtransportiert, bei Razzien gefangen, und auch ganze Dorfgemeinschaften konnten, zum Beispiel nach dem Gottesdienst, zur Arbeit ins Reich deportiert werden.
Christine Glauning: Insgesamt sind gerade aus der Sowjetunion viele Frauen verschleppt worden und viele waren sehr jung und es gab dann in der letzten Kriegsphase 1944 noch mal besondere Aktionen wie die sogenannte HEU-Aktion in Belarus. Also Heu steht für heimatlos, elternlos, unterkunftslos, wo gezielt noch mal Jugendliche und Kinder gesucht wurden, also wirklich ganze Landstriche und Wälder durchkämmt wurden, weil tatsächlich viele Kinder und Jugendliche versucht haben, sich zu verstecken. Die Eltern waren tot in den Lagern oder bereits verschleppt. Also, das heißt, man hat auch ganz gezielt nach Jugendlichen Ausschau gehalten und diese zur Arbeit verschleppt.
Daniel Christensen: Anfangs galt noch eine Altersgrenze von 14 Jahren für Zwangsarbeiter:innen, was ja bereits erschütternd jung ist. Im Verlaufe des Krieges hat auch hier eine Radikalisierung stattgefunden, erzählt Christine Glauning. Zuerst wurde die Altersgrenze auf zwölf Jahre heruntergesetzt, später wurden noch deutliche jüngere Kinder zur Arbeit gezwungen.
Alicja Kubecka: Hunger hatten wir, einen großen Hunger. Zum Beispiel gab es zum Frühstück nur schwarzen Getreidekaffee. Und jede von uns träumte davon, ein bisschen von dem Kaffeesatz zu bekommen, so hätte man zumindest etwas zu kauen gehabt. Zum Mittagessen gab es ein Stück Brot und manchmal ein Stückchen Margarine. Tagsüber gab es nichts Warmes, nur Brot. Abends gab es dafür einen Teller Suppe. Sehr oft schwammen in der Suppe kleine weiße Würmer, die kamen entweder von den Steckrüben oder von der Grütze, die vielleicht in der Suppe war. Das musste man essen. Essen verweigern bedeutete sterben. Dies war also unsere gesamte Tagesration, für den ganzen Tag. Und arbeiten musste man unterschiedlich lange.Denn als wir dort Mitte oder Ende Oktober 1944 ankamen, da war die deutsche Front noch riesengroß. Und es kamen so viele Motoren, dass die Arbeit 12 oder sogar 18 Stunden dauerte. Natürlich gab es keine Essensportion extra, nur das, was vorgesehen war. Das konnten einige Insassinnen nicht durchhalten. Sie wurden einfach ohnmächtig und dann aufs Revier geschickt. Davor hatten alle Angst, weil man wusste, dass man vom Revier so gut wie nie zurückkommt. Manche versuchten, andere zu verstecken, damit sie sich kurz setzten und später zeigen konnten, dass sie weiterarbeiten.
Daniel Christensen: Das Interview mit Alicja Kubecka wurde im November 2005 geführt und ich habe es im Internet-Archiv „Zwangsarbeit 1939-1945“ der Freien Universität Berlin gefunden. Das Online-Archiv bewahrt die Erinnerung an die Millionen Menschen, die in Deutschland oder in den besetzten Gebieten Zwangsarbeit leisten mussten. Fast 600 Audio- und Videointerviews mit ehemaligen Zwangsarbeiter:innen aus 26 Ländern sind hier archiviert, die meisten sind transkribiert und ins Deutsche übersetzt. Sie alle zeugen von Ausgrenzung, Ausbeutung, Grausamkeit und Gewalt, die auch von deutschen Zivilist:innen ausgeübt wurde.
Alicja Kubecka: Meine Freundin weinte viel und wollte dann nicht mehr essen. Und da sagte ich zu ihr: „Stefa, geh lieber aufs Revier, du kannst ja kaum noch gehen. Vielleicht helfen die dir dort, irgendwie ... Vielleicht gibt es dort eine Möglichkeit, damit du wieder zu dir kommst.“ Sie hörte auf mich und kam niemals wieder. Der Grund für ihren Zusammenbruch war der Meister, dem sie zugewiesen worden war. Ein schrecklicher Mensch und ein fürchterlicher Sadist! Eines Tages kam eine Aufseherin und nahm mich an Stelle meiner verstorbenen Freundin mit zu diesem Meister. Seine ersten Worte lauteten: „Wenn du weinst, stirbst du wie sie.“ Das war kein Soldat, sondern ein ziviler Meister. Denn im Werk, in jeder Abteilung, gab es zivile Mitarbeiter, die tagsüber arbeiteten und abends wieder nach Hause fuhren. Er sagte also als Erstes, dass ich sterben werde, sollte ich heulen. Und ich sagte ihm daraufhin: „Ich werde nicht weinen!“ Er kam morgens und brachte für sich ein herrliches Frühstück mit. Na ja, herrlich ist vielleicht zu viel gesagt, aber genauso empfand ich es damals. Er hatte Brötchen, die er direkt neben mir auf einem kleinen Tisch mit Margarine schmierte und genoss. Er sagte dabei: „Ach, ist das lecker! Schmeckt das herrlich!“ Er wusste, dass mein Hunger wahnsinnig groß war, dennoch sagte er das so. Ich blieb jedoch hart und sagte zu ihm: „Meister, wissen Sie, wie herrlich und lecker eine gebratene Gans in Polen schmeckt?! Wenn der Krieg vorbei ist, lade ich Sie auf so eine Gans nach Polen ein.“ So war es, ich schwöre, dass es so war! Denn ich heulte nicht.
Daniel Christensen: Ich frage mich, ob die menschenverachtende Behandlung von Zwangsarbeiter:innen vom nationalsozialistischen Regime verordnet war? Oder hatte man Spielräume? Konnten die Unternehmen oder einzelne Vorgesetzte selber entscheiden, wie sie mit den Menschen umgehen? Dazu habe ich mich mit dem Historiker Mark Spoerer, Professor an der Universität Regensburg, zu einem Telefoninterview verabredet. In seinem Buch „Zwangsarbeit unter dem Hakenkreuz“ beschreibt er das System Zwangsarbeit in all seinen Facetten.
Mark Spoerer: Die Spielräume waren natürlich durch gesetzliche Vorgaben, sagen wir mal, kanalisiert. Diese drei großen Gruppen, also zivile ausländische Arbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge, unterlagen jeweils eigenen spezifischen Rechtsbedingungen. Das betrifft z. B. die Ernährung oder auch die Unterkunft. Und da hatte ein Unternehmen im Prinzip wenig Spielraum, was die ganz großen Linien anging, aber im Kleinen konnte man immer wieder versuchen, und das haben viele Unternehmen auch getan, auch aus ganz eigennützigen Überlegungen heraus, die Versorgungslage der ausländischen Arbeitskräfte zu verbessern. Also entweder, indem man auf dem Werksgelände zusätzlich Nahrungsmittel angebaut hat, oder indem man beim zuständigen Ernährungsamt gesagt hat: „Leute, wenn die Ausländer bei uns Leistung erbringen sollen, dann müsst ihr die besser ernähren.“ Man hat natürlich nie humanistische Motive in solche Schreiben getan, sondern man hat ganz systemkonform argumentiert, die Leute müssen arbeiten im Sinne des Regimes und dafür müssen sie ernährt werden.
Daniel Christensen: Auch wenn Mark Spoerer in unserem Gespräch durchgehend das Maskulinum verwendet, betont er doch gleich zu Beginn, dass zivile Zwangsarbeit vor allem Frauen betroffen habe. Sie wurden, wie das Beispiel von Alicja Kubecka zeigt, auch an Arbeitsplätzen eingesetzt, die sonst eher Männern vorbehalten waren, erklärt Christine Glauning.
Christine Glauning: Viele der Zwangsverschleppten wurden in der Rüstungsindustrie eingesetzt. Das waren rund 40 Prozent, aber es waren auch sehr viele in der Landwirtschaft eingesetzt, auch im Bergbau, auch in kommunalen Unternehmen wie der Müllabfuhr. Oder auch Kirchen, die von Zwangsarbeit profitiert haben, oder auch Privathaushalte. Also im Grunde haben alle Bereiche der deutschen Wirtschaft und alle Bereiche der NS-Gesellschaft von Zwangsarbeit profitiert, ob es jetzt ein kleiner Handwerksbetrieb war oder ein großes Rüstungsunternehmen, aber wie gesagt eben auch die Privathaushalte haben von Zwangsarbeit profitiert.
Daniel Christensen: In die Privathaushalte wurden vor allem junge Frauen geschickt, die dem „deutschen „Erscheinungsbild“ ähnlich waren. Dies hatte Fritz Sauckel, der Generalbevollmächtigte für den Arbeitseinsatz, angeordnet, als er die Wehrmacht aufforderte, in großem Umfang Mädchen und junge Frauen aus der Ukraine „zur Unterstützung der deutschen Hausfrau“ ins Reich zu deportieren. Ich frage Mark Spoerer, inwiefern sich die Arbeitsbedingungen in Privathaushalten und in der Landwirtschaft von denen in der Industrie unterschieden haben.
Mark Spoerer: Also, da ist die Variationsbreite natürlich fast noch mal höher, weil wenn Sie auf einem entlegenen Bauernhof Zwangsarbeiter einsetzen, kann natürlich im Guten wie im Schlechten alles Mögliche passiert sein, was vielleicht in der Stadt unter einer gewissen öffentlichen Aufsicht oder Kenntnisnahme nicht möglich gewesen wäre. Normalerweise kann man sagen, dass die Zwangsarbeiter, die bei Einzelpersonen gearbeitet haben, etwas besser behandelt worden sind, weil einfach der persönliche, der menschliche Kontakt da war und man merkte, ja, das sind Leute wie wir und die kann man jetzt nicht so hart anfassen. Aber das ist nur der Durchschnittswert. Es gibt natürlich auch Beispiele von extremer Brutalität, sowohl in der Landwirtschaft als auch in Privathaushalten.
Daniel Christensen: Die Verschleppten, die in der Industrie arbeiteten, sagt Christine Glauning, wurden in der Regel auf engstem Raum in eigens errichteten Barackenlagern in der Nähe ihres Einsatzortes untergebracht. Innerhalb der Ortschaften sind auch bestehende Gebäude wie Schulen, Theater, Kinos oder Ausflugslokale zu Sammellagern umfunktioniert worden. Sie befanden sich häufig inmitten von Wohngebieten, so dass die Bevölkerung täglich mit dem Unrecht konfrontiert worden ist. Es gab so viele Lager, dass wirklich jeder von Zwangsarbeit gewusst haben muss.
Christine Glauning: Wir wissen von Berlin, dass es rund 3.000 Lager gab, also Sammelunterkünfte, neuerrichtete oder eben umfunktionierte, wie die schon erwähnten. Es gibt eine Hochrechnung vom United States Holocaust Memorial Museum, dass es rund 42.000 Lager gegeben hätte in ganz Europa und davon rund 30.000 eben für die größte Gruppe der zivilen Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen. Also man kann sich schon vorstellen, dass fast an jeder Ecke ein Lager war.
Daniel Christensen: Die Begegnung mit der deutschen Bevölkerung haben ehemalige Zwangsarbeiter:innen ähnlich erlebt wie die mit den Vorgesetzten. In den Interviews, die sich im Archiv Zwangsarbeit der FU Berlin finden, berichten sie von Beschimpfungen bis hin zu tätlichen Angriffen, erwähnen aber auch Menschen, die Mitgefühl zeigten und ihnen etwas zu essen zusteckten. Zwangsarbeiter:innen aus dem Westen standen in der rassistischen Ideologie der Nationalsozialisten über denjenigen aus Osteuropa. Sie hatten in den Unterkünften mehr Platz zur Verfügung und konnten sich freier bewegen, beispielweise ins Kino oder in ein Café gehen. Zwangsarbeiter:innen aus Polen oder der Sowjetunion mussten einen „P“ oder einen „Ost“-Aufnäher sichtbar auf der Kleidung tragen. So stigmatisiert durften sie in ihrer knappen Freizeit allenfalls spazieren gehen und wurden hart bestraft, wenn sie ohne den Aufnäher erwischt wurden. Auch die Bewachung in den Lagern war unterschiedlich geregelt, je nach Gruppe, erzählt die Direktorin des Dokumentationszentrums Zwangsarbeit:
Christine Glauning: Zivile Zwangsarbeiter:innen sind durch zivile Wachschutzleute, zum Teil auch vom Werkschutz, in den Betrieben oder im Lager bewacht worden. Für die Kriegsgefangenen war die Wehrmacht zuständig und für die KZ-Häftlinge die SS. Und eigentlich sollten in den Lagern diese unterschiedlichen Gruppen nicht gemeinsam untergebracht werden. Aber in der Praxis sah das anders aus. Und dieses Lager hier in Schöneweide ist eben auch ein Beispiel dafür, dass hier die drei verschiedenen Gruppen untergebracht waren. Und wir wissen, dass die zwei Baracken, in denen die weiblichen KZ- Häftlinge untergebracht waren und die von der SS bewacht wurden, nochmal separat gesichert wurden durch Stacheldraht.
Daniel Christensen: Als politische Gefangene war auch die 17-jährige Alicja Kubecka in einem mehrfach gesicherten Lager untergebracht.
Alicja Kubecka: Es gab gar keine Fluchtmöglichkeit. Davon konnte man gar nicht träumen. Obwohl, eine Russin war mal so mutig. Angeblich stahl sie im Werk eine Zange, um den Draht durchzuschneiden. Am nächsten Tag gab es einen Appell, frühmorgens um vier oder um fünf, als es noch fast völlig dunkel war. Beim Appell führte man uns dorthin, wo die Russin auf dem Zaun lag. Als sie den Zaun berührte, brachte ein Stromschlag sie um. Und so zeigten sie uns diese Frau, um andere Insassinnen von Fluchtplänen abzubringen. Das war ja ein Lager, das als ein besonders schweres Lager galt, bewacht von vielen Soldaten, Aufseherinnen und SS-Leuten.
Daniel Christensen: Die hygienischen Bedingungen und die Lebensmittelversorgung in den Lagern waren katastrophal, dennoch wurde für „Unterbringung und Verpflegung“ vom geringen Lohn, den die Zwangsarbeiter:innen in der Industrie erhielten, noch etwas abgezogen. Zum Thema Lohn und Kaufkraft hatte mein Opa noch sehr detaillierte Erinnerungen:
Ludvik Jirus: Ich erinnere mich, dass ich damals zwei- bis dreitausend Protektoratkronen verdient habe. Und jetzt sage ich dir die Preise der damaligen Zeit. Eier, da erinnere ich mich ganz perfekt, kostete damals 30 Kronen, ein Ei. Eine Zigarette kostete wie ein Ei 30 Kronen, eine Flasche Alkohol kostete 1000 Kronen und ein Kilo Fleisch kostete z. B. zwischen 200, 300, 400 Kronen. Butter, wenn du Geld hattest, konntest du auf dem Schwarzmarkt kaufen. Dieses Einkaufen, die Deutschen waren böse, da gab es eine schreckliche Strafe, wenn jemand gefangen wurde. Das war ohne Kompromisse.
Daniel Christensen: Der Lohn, den mein Opa für die Arbeit in der Rüstungsindustrie bekommen hat, war also lächerlich gering. Er hatte das Glück, zuhause bei seinen Eltern leben zu können. Ein Schwager war Bauer und mein Opa schmuggelte Lebensmittel vom Land in die Stadt, um die Familie zu versorgen. Dass es für Zwangsarbeit überhaupt eine Bezahlung gab, war mir jedoch vorher nicht bewusst, und ich frage Christine Glauning danach.
Christine Glauning: Es gab ein Lohnsystem, zumindest auf dem Papier, das auch wieder abgestuft wurde zwischen den unterschiedlichen Gruppen und eben wieder auch zwischen den unterschiedlichen Nationalitäten. Also, westeuropäische zivile Zwangsarbeiter haben etwas über sechs Reichsmark pro Stunde bekommen. Aus Polen waren es dann nur etwas über fünf Reichsmarkt und aus der Sowjetunion etwas unter zwei Reichsmark. Und bei den Kriegsgefangenen war es eben noch weniger. Die KZ-Häftlinge haben überhaupt nichts bekommen. Die Zahlen, die ich jetzt gerade genannt habe, das ist ein Beispiel aus dem Bergbau, um aufzuzeigen, wie die Unterschiede waren und wie sich da eben die rassistische Ideologie auch abspielt. Aber wie gesagt, oft gab es eben auch nichts oder nur sehr wenig.
Daniel Christensen: Für die Menschen in den Konzentrationslagern, die Zwangsarbeit leisten mussten, gab es also keinen Lohn. Deshalb wird in diesem Zusammenhang auch oft von Sklavenarbeit gesprochen. Aber auch Zwangsarbeiter:innen in der Landwirtschaft oder in Privathaushalten waren der Willkür ihrer Dienstherrinnen und -herren wehrlos ausgeliefert und konnten nichts dagegen unternehmen, wenn sie keinen Lohn, sondern nur Kost und Logis erhielten, oft bescheiden genug. Die Unternehmen haben sich an der Zwangsarbeit nicht nur durch den gesparten Lohn bereichert. Die Aufträge aus der Rüstungsindustrie konnten nur durch Zwangsarbeit bewerkstelligt werden und die waren wiederum im Krieg die einzige Möglichkeit zur Expansion. Die Unternehmen konnten so Kapital in Form von Werkhallen und Maschinen ansammeln, das ihnen beim Wiederaufbau in der Nachkriegszeit einen Startvorteil sicherte, sagt Historiker Mark Spoerer. Und obwohl die Arbeit in der Rüstungsindustrie zum Beispiel wegen des Umgangs mit Chemikalien gesundheitsgefährdend war, gab es für Zwangsarbeiter:innen kaum Arbeitsschutz oder eine medizinische Versorgung bei Unfällen.
Mark Spoerer: Also in der Munitionsherstellung gibt es ein Beispiel von einem großen Unternehmen, das den Krieg dann nicht überlebt hat, die Hasag. Die haben aus den Deportationszügen, die von den im ehemaligen Polen gelegenen Ghettos in die Vernichtungslager gingen, sich sozusagen Leute abgezwackt, und haben die dann in der Produktion von Munitionen eingesetzt, wo man den Leuten Milch hätte geben müssen. Und Milch war knapp, das hat man nicht gemacht. Und dadurch sind dann die Haare nach ein paar Wochen gelb und dann grün geworden. Und später sind sie gestorben. Das haben sie mit etlichen tausend jüdischen Zwangsarbeitern gemacht. Und wer arbeitsunfähig war, wurde vom Werkschutz direkt ermordet. Also, von deutschen Werkschutz-Mitarbeitern. Das ist allerdings ein Extrembeispiel.
Christine Glauning: Und viele Krankheiten sind eben auch durch die schwierigen hygienischen Bedingungen in den Lagern verursacht worden mit viel Ungeziefer, mit Wanzen, mit Läusen. Fleckfieber oder Tuberkulose waren so typische Lagererkrankungen, die nicht entsprechend behandelt worden sind.
Daniel Christensen: …ergänzt Christine Glauning. Der Tod von Zwangsarbeiter:innen sei billigend in Kauf genommen worden. Als sie das sagt, tauchen in meinem Kopf die Worte „Vernichtung durch Arbeit“ auf und die Vorstellung, dass die Grenzen zwischen Zwangsarbeit und gezielter Vernichtung wahrscheinlich fließend waren. Mark Spoerer macht deutlich, dass die Sterblichkeitsraten bei den einzelnen Opfergruppen den Stellenwert widerspiegeln, den sie im Weltbild der Nationalsozialisten hatten, und die Bedingungen, unter denen sie Zwangsarbeit leisten mussten.
Mark Spoerer: Zwangsarbeiter aus westlichen Staaten, ich spreche jetzt von zivilen Zwangsarbeitern und von Kriegsgefangenen, hatten eine Sterblichkeit, die für das Geschlecht und das Alter relativ normal waren. Das sieht ein bisschen anders aus für Menschen, die aus Polen gekommen sind, die eben auch schon von der ganzen rechtlichen Lage her schärfer angefasst wurden, da ist die Sterblichkeit größer gewesen, als sie das normalerweise wäre. Und bei Menschen, die aus der Sowjetunion gekommen sind, sei es als Zivilarbeiter, sei als sowjetische Kriegsgefangene, die haben eine sehr viel höhere Sterblichkeit gehabt, als das normalerweise der Fall gewesen wäre. Die sowjetischen Kriegsgefangenen wurden ja zu Beginn des Feldzugs im Osten letztlich dem Hungertod preisgegeben, da sind ja mehrere Millionen sowjetische Kriegsgefangene in deutschem Gewahrsam gestorben. Ab dem Moment, wo sie dann zum Arbeitseinsatz herangezogen wurden, also etwa so ab Ende Oktober, November 1941, reduziert sich die Sterblichkeit etwas, aber ist eben immer noch sehr hoch. Ja, und bei KZ-Häftlingen war die extrem, genau wie jüdische Zwangsarbeiter außerhalb des KZ-Systems, die vor allen Dingen im Polen eingesetzt wurden, war da die Sterblichkeit sehr hoch.
Daniel Christensen: In der rassistischen Hierarchie des Nationalsozialismus standen sogenannte „arische“ Deutsche an der Spitze, gefolgt von Menschen aus Nord- und Westeuropa. Am anderen Ende der Leiter wurden Menschen aus Osteuropa, also aus Polen und der ehemaligen Sowjetunion eingeordnet, und darunter Jüdinnen und Juden, Sinti:ze und Rom:nja. Neben Menschen mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung oder Menschen, die als „asozial“ diffamiert wurden, waren Sinti:ze und Rom:nja häufig Opfer von Zwangssterilisierung nach dem Gesetz zur – ich zitiere – „Verhinderung von erbkrankem Nachwuchs“ aus dem Jahr 1933. An Männern und Frauen in Konzentrationslagern und anderen haftähnlichen Lagern wurden auch pseudomedizinische Versuche vorgenommen, die zu bleibenden gesundheitlichen Schäden oder sogar zum Tod führten. Auch Alicja Kubecka hat diese Form der medizinischen Gewaltanwendung erlebt.
Alicja Kubecka: Ich bin der Ansicht, dass es eine Art experimentelle Behandlung war. Denn wenn nachts Ärzte kamen und es einen Appell gab, legten sie uns auf einen Tisch und es gab zum Beispiel gynäkologische Untersuchungen. Das war meistens im Keller. Wir wurden nach unten gedrängt und standen Schlange. Jede von uns musste sich auf so einen gynäkologischen Tisch legen, das heißt, ein spezieller Tisch war es nicht, normale Tische dienten als solche. Und sie gaben uns Spritzen. Ich weiß nicht warum. Es gab Personen, die keine bekamen. Aber wer konnte schon fragen, worum es da ging? Jede von uns betete nur, dass man so schnell wie möglich wegkann, sich auf seine Pritsche legen kann, und bloß in Ruhe gelassen wird.
Daniel Christensen: Alicja Kubecka hielt es für möglich, dass man mit diesen Spritzen die Fruchtbarkeit der Frauen unterdrückte, denn keine von ihnen bekam während der Zeit der Zwangsarbeit ihre monatliche Regelblutung. Dass unter dem Druck der Kriegsbedingungen so viele Menschen aus Polen und der Sowjetunion ins Deutsche Reich kamen, beunruhigte die deutschen Sicherheitsbehörden. Um den Umgang mit ihnen unter Kontrolle zu behalten, regelten ab 1940 die sogenannten „Polenerlasse“ und ab 1942 die „Ostarbeitererlasse“ die Rechte und Pflichten dieser Zwangsarbeiter:innen. Warum wurden gerade diese beiden Opfergruppen vom NS-Regime als so bedrohlich empfunden, Frau Glauning?
Christiane Glauning: Die Sicherheitsbehörden befürchteten einerseits Sabotage in den Betrieben, dann Massenaufstände, kommunistische Infiltration, aber vor allem verbotene Beziehungen zwischen deutschen Frauen und osteuropäischen Männern. Und dieser verbotene Umgang ist sehr drakonisch, sehr hart bestraft worden und die Gestapo hat versucht, das zu überwachen und zu unterbinden, aber das ist nicht gelungen. Die Kontakte vor allem auf dem Land oder in kleineren Städten war viel zu eng. Es gab viel zu viele Möglichkeiten, sich zu begegnen. Das konnte nicht unterbunden werden und es sind dort eben auch vor allem die deutschen Frauen hart bestraft worden.
Daniel Christensen: Ich erinnere mich an Fotos von deutschen Frauen, die mit geschorenem Kopf durch den Ort getrieben werden, mit einem Schild um den Hals, auf dem Sätze stehen wie „Ich habe mich gegen das Blutschutzgesetz meines Volkes vergangen“, umringt von einer Menschenmenge, die sie beschimpft und verhöhnt. Christine Glauning erzählt, dass die Frauen als Strafe für den verbotenen Kontakt in der Regel ins Zuchthaus kamen, im weiteren Kriegsverlauf auch ins Konzentrationslager. Hatten deutsche Männer verbotenen Kontakt mit einer Zwangsarbeiterin, musste man in den meisten Fällen von Vergewaltigung ausgehen. Die Männer kamen dann mit einer geringen Strafe davon, während die Frau oft monatelang in einem KZ inhaftiert wurde. Noch härter wurden jedoch die osteuropäischen Männer bestraft, die Kontakt mit einer deutschen Frau hatten.
Christine Glauning: Es waren mehrheitlich polnische Männer mit Beziehungen zu deutschen Frauen, die dann zum Tode verurteilt worden sind, zur sogenannten Sonderbehandlung durch die Gestapo, irgendwo am Waldrand, am Dorfrand. Davon gibt es auch einzelne Fotografien, von diesen Erhängungsaktionen. Und die Zwangsarbeiter:innen, die da in der Region untergebracht waren, mussten diesen Erhängungen auch zuschauen zur Abschreckung.
Daniel Christensen: Neben dieser menschenverachtenden Form der Abschreckung existierte auch noch ein weiteres Mittel, um sexuellen Kontakten zwischen ausländischen Zwangsarbeitern und deutschen Frauen entgegenzuwirken: eigene Bordelle für Zwangsarbeiter. Nach Angaben des Sicherheitsdienstes der SS gab es 1943 im Deutschen Reich 60 solcher „Ausländerbordelle“, weitere 50 befanden sich in der Planung. Die etwa 600 polnischen, tschechischen und französischen Frauen, die dort zur Prostitution gezwungen wurden, waren offiziell auf „freiwilliger Basis“ rekrutiert worden. Was passierte eigentlich, wenn eine Zwangsarbeiterin schwanger wurde? Bis 1942, erfahre ich von Christine Glauning, wurde sie meistens in ihre Heimat zurückgeschickt, weil sie als Arbeitskraft wertlos war. Obwohl den Frauen als ledige Mütter in ihrer Heimat die Stigmatisierung drohte, sahen immer mehr Frauen in einer Schwangerschaft einen Ausweg aus der Zwangsarbeit.
Christine Glauning: Als dann aber der Arbeitskräftemangel im Verlauf des Krieges zunahm, hat man dem einen Riegel vorgeschoben und hat schwangere Frauen aus Polen und der Sowjetunion immer mehr zur Abtreibung gezwungen. Und zwar Abtreiben auch im späten Stadium der Schwangerschaft.
Daniel Christensen: Die Frauen mussten sich in ein Ausländerkrankenhaus begeben, wo der Eingriff ambulant vorgenommen wurde. Danach hatten sie direkt an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren.
Christine Glauning: Das war die eine Strategie. Auf der anderen Seite gab es dann Entbindungslager, auch von großen Betrieben oder der Reichsbahn, wo die Frauen die Kinder zur Welt bringen konnten und dann eben möglichst schnell wieder an den Arbeitsplatz zurückkehren sollten. Wie man die Kinder behandelt hat, das war dann auch davon abhängig, wie man sie aus NS-ideologischer Sicht eingestuft hat. Waren sie zum Beispiel blond und blauäugig? Dann hat man sie den Müttern weggenommen und in deutsche Familien gebracht zur Adoption. Aber vielfach sind diese osteuropäischen Kinder in sogenannte Ausländerkinderpflegestätten gebracht worden. Das ist einer dieser furchtbar verharmlosenden Begriffe des NS-Regimes und dahinter verbirgt sich im Grunde ein Sterbelager für Säuglinge und Kleinstkinder, weil sie dort nicht versorgt wurden, man hat sich nicht um sie gekümmert. Sie bekamen wenig zu essen und der Großteil ist verhungert in diesen Sterbelagern.
Daniel Christensen: Viele Menschen haben die Zwangsarbeit nicht überlebt – genaue Zahlen gibt es darüber nicht. Diejenigen, die überlebt haben, waren nach Kriegsende meist obdachlos. Die Lager waren häufig zerstört, die Heimat weit weg, was geschah mit ihnen?
Christine Glauning: Wir wissen hier von Berlin, dass sich viele nach Westeuropa zu Fuß mit Handkarren auf den Weg gemacht haben, quasi privat selbst organisiert, oder auch nach Polen. Dann gab es eben auch die organisierte Rückführung, vor allem aus der Sowjetunion, wo Repatriierungseinheiten gezielt auch in den Westzonen nach Sowjetbürgern und -bürgerinnen gefahndet haben, um sie möglichst alle wieder zurückzubringen in die Sowjetunion. Es wollten nicht alle zurück. Etliche sind emigriert in die USA oder nach Australien.
Daniel Christensen: Einige blieben auch in Deutschland, wenn die Emigration abgelehnt wurde. Zwangsarbeiter:innen aus der Sowjetunion standen nach ihrer Rückführung unter dem Generalverdacht der Kollaboration mit den Deutschen. Sie wurden in sogenannten Filtrierungslagern von sowjetischen Geheimdienstmitarbeitern durchleuchtet und einige wurden unter der stalinistischen Terrorherrschaft ermordet oder erneut in Lagern interniert. Mein Opa konnte nach Kriegsende seine Schule beenden und ist Bauingenieur geworden. Er hat meine Großmutter geheiratet und mit ihr zwei Kinder bekommen, eines davon ist meine Mutter. Alicja Kubecka ist nach Warschau zurückgekehrt, hat eine Arbeit in der Telekommunikationsbranche gefunden, geheiratet und zwei Töchter großgezogen. Von ihr und auch von meinem Großvater wird in den nächsten Folgen von Wert & Würde noch mehr zu hören sein. Zwangsarbeit wurde im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ gewertet. Fritz Sauckel, den Adolf Hitler zum „Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz“ ernannt hatte und der für die Verschleppung von Millionen Frauen, Männern und Kindern verantwortlich war, wurde in diesem Prozess zum Tode verurteilt. Rüstungsminister Albert Speer, dessen Ministerium von der Ausbeutung der Zwangsarbeiter:innen am stärksten profitiert hatte, erhielt eine Haftstrafe von 20 Jahren. Die deutsche Bevölkerung vergaß die Erinnerung an das Leiden der Zwangsarbeiter:innen, das während des Krieges nahezu jedem täglich vor Augen gestanden hatte. Oder neue Narrative formten die Vergangenheit um. Die Zwangsarbeiter:innen hatten es hier doch „eigentlich gutgehabt“ und waren „immer fair behandelt“ worden. Die Geschichte von Alicja Kubecka aus Warschau ist in dieser Folge stellvertretend für all die Geschichten zu hören, die nicht mehr erzählt werden können. Ihrer Jugend, ihrer Widerstandsfähigkeit und einer Portion Glück ist es zu verdanken, dass sie die harte Arbeit, die Mangelernährung, die medizinischen Versuche, die Bombenangriffe auf Berlin und den Evakuierungsmarsch aus dem Lager am Kriegsende überlebt hat. Sie ist auch keinem der Massaker zum Opfer gefallen, in denen viele Zwangsarbeiter:innen von der Wehrmacht, der SS oder auch von Zivilisten kurz vor Kriegsende ermordet wurden, damit sie nicht Zeugnis ablegen konnten. Als ich anfing zu diesem Thema zu recherchieren, war mir nicht bewusst, wie viele unterschiedliche Menschen von Zwangsarbeit betroffen waren und wie weit sich in meinen Recherchen dieses Thema noch verzweigen würde. Es macht mich sprachlos, dass Wirtschaft und Industrie Zwangsarbeit, ungeachtet der menschenverachtenden Bedingungen, unter denen sie ausgeübt wurde, als „legitime Maßnahme zur Beseitigung des kriegsbedingten Arbeitskräftemangels“ erklärten. Gab es bei den Unternehmen tatsächlich kein Bewusstsein dafür, Unrecht getan zu haben, möchte ich von Mark Spoerer wissen.
Mark Spoerer: Also, wenn man zum Beispiel die Flugzeugindustrie nimmt, damals die absolute Hightech-Branche und diejenige Branche, die ganz besonders stark in den Krieg involviert war, dort sind also hunderttausende von diesen schlecht behandelten Ostarbeitern, sowjetischen Kriegsgefangenen und eben auch KZ-Häftlinge eingesetzt worden. Bei Arbeitsbedingungen, wo den Verantwortlichen schon klar war, dass hier ist nicht mehr normal, auch nicht unter Kriegsbedingungen. Also, das war schon klar, dass da was kommen würde. Und insofern war man bestrebt, die Ansprüche möglichst lange abzuwehren.
Daniel Christensen: Die Ansprüche, die der Historiker meint, sind Forderungen der ehemaligen Zwangsarbeiter:innen auf entgangenen Lohn, beziehungsweise auf eine Entschädigung für das erfahrene Leid, das in vielen Fällen zu bleibenden psychischen und physischen Beeinträchtigungen geführt hat. Politik und Wirtschaft gingen damit so lange abwehrend um, bis diese Ansprüche massiven Rückenwind aus den USA bekamen. Wie es dazu kam und wie das mit der Gründung der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft zusammenhängt, davon handelt die nächste Folge von „Wert & Würde“.
Jingle: Sie hörten die 1. Folge des Podcasts „Wert & Würde“ der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft. Moderation: Daniel Christensen Konzeption und Text: Vera Teichmann Eine Produktion von speak low. Im Auftrag der Stiftung EVZ 2025
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